Reformierung des Menschen durch Stadtraumgestaltung

Martin Viehhauser

 

Soziale Verhältnisse über städtebauliche Ästhetik zu steuern, war Anliegen eines sozialpolitischen Handelns, das sich um 1900 formierte und nicht weniger als die »Reformierung der Menschen« (Adolf Weber) zum Ziel hatte. Nach dem Credo kommunaler Instanzen sollte es über die massenhafte Bereitstellung spezifischer Wohnformen wie dem Siedlungsbau und über eine an heimatlichen Werten orientierte Architektur gelingen, insbesondere die Arbeiterklasse zu bürgerlichen Verhaltensweisen zu ›erziehen‹. In einer rational planenden Wissenskultur bildete sich die Überzeugung heraus, dass ›schön‹ gestaltete Stadträume zur Moralisierung gesellschaftlicher Verhältnisse beitragen können und dass Erfahrung die erzieherische Wirkung von Räumlichkeit ermögliche.
Die vorliegende Studie untersucht aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive die moralisch aufgeladenen Auseinandersetzungen um die soziale Stadtentwicklung wie auch ihre Materialisierungen – mit besonderer Berücksichtigung der Stadt Zürich – und entwirft gleichzeitig die erziehungshistorische Darstellung einer Sichtweise, der es darum ging, die Stadt als ›Schule‹ der Gesellschaft zu gestalten. Diese Formung wird als Prozess analysiert, der an den Schnittstellen zwischen wissenschaftlicher Theorie, Expertise und politischem Handeln angesiedelt ist.

Reformierung des Menschen durch Stadtraumgestaltung

Schule zwischen Politik und Ökonomie

von Carla Aubry

Die aus Steuergeldern finanzierten Schulbudgets stellen heute eine Art Generationenvertrag dar, ohne den das öffentliche Bildungswesen nicht unterhalten werden kann. Dem war nicht immer so. Am Beispiel Winterthur wird deutlich, dass der Wandel der Bildungsfinanzierung vor dem Hintergrund demokratischer Umbrüche erfolgte. Im Laufe der Zeit verloren traditionelle politische Machtverhältnisse an Glaubwürdigkeit, und Partizipationsrechte wurden auf breite Bevölkerungsschichten ausgedehnt. Das schulische Angebot wurde mit entsprechenden Folgekosten verbessert, und die Zuständigkeiten für die Schulen änderten sich. Die Finanzierung schulischer Belange war lange Zeit in lokale Haushalte eingebettet, bevor das Erheben von Steuern gesellschaftlich anerkannt wurde. Dank staatlichem Engagement wurde der Zugang zur obligatorischen Volksschule für alle gleichermassen ermöglicht, ohne dass es zu zentralistischen Lösungen kam. Die Finanzierung von Schulen zeigt sich als gesellschaftliches Phänomen mit ausgeprägten politischen und ökonomischen Bezügen.

 

Carla Aubry: Schule zwischen Politik und Ökonomie

Small Nations and Colonial Peripheries in World War I

Edited by Gearóid Barry, NUI Galway, Enrico Dal Lago, NUI Galway, and Róisín Healy, NUI Galway